Dänemarks Wirtschaft
Die Wirtschaft Dänemarks zählt gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den stärksten in der EU (35.700 Dollar), liegt aber leicht hinter Deutschland europaweit an fünfter Stelle. Das Land mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern hat eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, weil der Arbeitsmarkt stärker dereguliert ist als in Deutschland. Der öffentliche Sektor beschäftigt allerdings knapp dreißig Prozent aller Berufstätigen, diese Quote ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Das dänische Modell mit der sehr raschen Vermittlung neuer Jobs für Arbeitslose („Flexicurity“) gilt dennoch als beispielgebend für Europa.
Einkommensverteilung und Beschäftigung
Im Gesamtdurchschnitt verdienen die Dänen sogar etwas weniger als die Deutschen, zudem sind die Steuern aus deutscher Sicht extrem hoch (Mehrwertsteuer 25 Prozent, Spitzensteuersatz 59 Prozent). Die Einkommen sind aber durch den großen öffentlichen Sektor anders verteilt, auch in privaten Unternehmen werden bestimmte Lohngrenzen kaum unterschritten, obwohl es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt. Die Gewerkschaften sind sehr stark, es herrscht im Allgemeinen hohe Lohnzufriedenheit. Die Beschäftigungsquote ist auch unter älteren Arbeitnehmern sehr hoch, insgesamt hat Dänemark in Europa die niedrigsten Arbeitslosenzahlen (rund 3 Prozent). Das Land ist flexibel, gering verschuldet und wettbewerbsfähig, der gemessene und gefühlte Lebensstandard ist sehr hoch.
Struktur der Wirtschaft Dänemarks
Das Land ist hoch industrialisiert, die Industrie trägt zu einem Viertel zum BIP und zu drei Vierteln zu den Exporten bei. Noch wesentlich stärker ist der Dienstleistungssektor, hier arbeiten 73 Prozent aller Beschäftigten und erwirtschaften 72 Prozent des BIP. Am stärksten sind die Lebensmittelindustrie (führend in der Schweinefleischproduktion), die Metallverarbeitung, der Maschinenbau inklusive Transportmaschinen, die Elektronikproduktion und das Verlagswesen mit angeschlossener Druckindustrie. Weitere wichtige Bereiche sind die Möbelindustrie (auch für den Export), der Schiffbau, Brauereien, Textilindustrie, Stahl-, Zement- und Chemieindustrie. Die Landwirtschaft ist stark mechanisiert, der Beschäftigungsanteil liegt bei 3 Prozent, der Anteil am BIP bei 2,3 Prozent. Dabei werden über 50 Prozent der Landesfläche (außer Grönland und Färöer) landwirtschaftlich genutzt, was auf den nährstoffarmen Böden nur durch intensive Düngung gelingt. Kleine Betriebe werden staatlich gefördert (Familienbetriebe mit maximal 50 Hektar Fläche), Zusammenschlüsse werden gesetzlich erschwert. Genossenschaften haben bei der Vermarktung der Produkte einen sehr großen Einfluss, sie sind in sehr starken Verbänden organisiert, die mit der Industrie, der Regierung und ausländischen Handelspartnern verhandeln. Die Fleischproduktion ist für die Wirtschaft Dänemarks, vor allem für den Export, sehr bedeutsam.